"Ex-Premierminister Petr Necas setzte sich für den Ausbau der Atomkraftwerke in Tschechien ein. Wir haben ihm deshalb regelmäßig Briefe geschrieben und klar zum Ausdruck gebracht, was wir vom Ausbau der Atomkraft halten. Weil sich der neue Premierminister Bohuslav Sobotka zur Kernkraft ähnlich stellt, setzen wir mit unserer Aktivität fort. Schreiben auch Sie dem Premier! "





Brief an den Premierminister schreiben


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Sehr geehrter Herr Premierminister,

die kürzlich via Internetportal iDnes.cz kolportierten Zahlen zu den Rücklagen für den Rückbau  tschechischer Atomanlagen sind einigermaßen bestürzend. Da stehen Beträge in interpretativen Gegenüberstellungen mit Berechnungen, deren Herkunft nicht wirklich nachvollziehbar ist. Mich interessiert das aber, ich würde gern die Rechenvorgänge hinter der Darstellung kennen! Der AKW-Betreiber CEZ ist im mehrheitlichen Besitz des tschechischen Staates, dem Regierungskabinett sollten also entsprechende Informationen vorliegen. Vielleicht können Sie, als Premier und ehemaliger Finanzminister, mir dabei helfen, die Kalkulationen zu verstehen.

 Die konkreten Fragen wären:

  • 24,4 Milliarden Kronen, so besagt der Artikel, lagen mit Stand 2015 am Atomkonto, 71,6 Milliarden Kronen stünden aber zur Verfügung, heißt es... Darf ich davon ausgehen, dass es sich hierbei um eine Hochrechnung handelt, deren Endwert aus antizipierten Einnahmen bis 2027 entsteht?
  • Wenn dem so ist: Verlässt sich der Betreiber CEZ hierbei tatsächlich auf die - bereits vom Markt widerlegte - Annahme, Strom aus AKW könnte in Zukunft zu Preisen verkauft werden, die schon gegenwärtig nicht mehr zu erzielen sind? Kalkuliert die Atomindustrie also mit Werten aus der Vergangenheit? Oder gar mit einer Rückkehr in die Vergangenheit?
  • Wie stehen Sie zur einigermaßen klaffenden Vergleichsanalyse der Rücklagen in anderen Atomstaaten? Deutschland zum Beispiel: Aufgrund des laufenden Atomausstiegs darf dieses Szenario wohl zweifelsfrei als Präzedenzfall herangezogen werden.
  • Wenn die deutschen Betreiber also 38 Milliarden Euro angespart haben und damit, wie bereits eingestanden wurde, nicht auskommen werden: Wie will CEZ dann mit einem Bruchteil dieser Summe den Rückbau und die sichere Endlagerung des gesamten Atommülls aller Reaktoren bewerkstelligen? Gibt es tatsächlich Einsparungsfaktoren in Tschechien, die eine derart hohe Diskrepanz im Kalkulationsmodell rechtfertigen? Und welche wären das?

 Sehr geehrter Herr Premierminister, Sie haben mir schon viele Antwortschreiben auf meine Briefe der vergangen Monate und Jahre übermittelt - dafür an dieser Stelle wieder einmal herzlichen Dank!

 Ganz besonders wird es mich freuen, wenn Sie meine heute gestellten konkreten Fragen schlüssig beantworten können!

 Bis dahin verbleibe ich,

mit besorgten Grüße aus dem Mühlviertel

 Gabriele Schweiger

Mütter gegen Atomgefahr, Obfrau

 

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